Fußballmärchen. Im allerletzten Saisonspiel des SKU Ertl Glas Amstetten trifft Abwehrmann Niklas Pertlwieser zum ersten Mal für die Mostviertler – ausgerechnet auswärts bei Austria Lustenau. Genau dort, wo er ab Sommer unter Vertrag steht. Bewerbungsschreiben? Braucht der Mann offenbar nicht. Er schießt sie einfach.
Ein Sommer, 26 Spiele, null Diskussionen
Als Pertlwieser im Sommer 2025 von den WAC Amateuren aus der Regionalliga Mitte nach Amstetten kam, hätte man einen klassischen Eingewöhnungssommer erwartet. Stattdessen: Startelf gleich am ersten Spieltag gegen Sturm Graz II – und danach? Blieb er einfach drin. 26 Zweitliga-Einsätze später steht fest, dass die Amstettner Defensive ohne den Kärntner kaum zu denken war.
Zweikampfstark, abgeklärt, verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk mit niederösterreichischem Arbeitsethos. Wer so eine Saison hinlegt, weckt Begehrlichkeiten. Dass nun ausgerechnet ein Bundesliga-Aufsteiger zuschlägt, ist die logische Konsequenz – und für Amstetten ein bitterer Beweis dafür, dass gute Arbeit im Unterhaus selten lange unentdeckt bleibt.
Vom Glanegger Dorfplatz in die Bundesliga
Die Geschichte dahinter ist eine, wie sie der österreichische Fußball liebt. Angefangen hat alles beim SV Glanegg, ehe es über St. Urban und Feldkirchen 2017 in die Akademie des Wolfsberger AC ging. Dort reifte Pertlwieser in einem Jahrgang, der sich heute sehen lassen kann: Adis Jasic kickt mittlerweile bei Al-Ain in den Emiraten, Tarik Muharemović in Italien bei Sassuolo, und Nikolas Veratschnig schaffte den Sprung in die deutsche Bundesliga zu Mainz 05 und steht zudem auf der Abrufliste von Teamchef Ralf Rangnick. Vor Kurzem wechselte der Kärntner zum FC Red Bull Salzburg. Kein schlechtes Umfeld, um Profi-Mentalität zu lernen.

Unvergessen bleibt aus dieser Zeit die legendäre Regenschlacht von Velden: An einem 3. Oktober rang die WAC-U18 unter den Trainern Gerhard Seidler und Christoph Cemernjak – Akademieleiter damals Gernot Messner – ausgerechnet Red Bull Salzburg mit 2:1 nieder. Auf der Salzburger Bank saß damals übrigens ein gewisser Matthias Jaissle, der später die Profis der Bullen übernehmen sollte. Wer dabei war, weiß: Solche Schlammschlachten vergisst man nicht. Wir streamten das Spektakel sogar live mit dem Handy aus dem Dachfenster heraus – Grassroots-Berichterstattung in Reinkultur.
Eddie Gustafsson oder doch Bengt Åke?
Und weil große Spiele auch große Versprecher gebären, lieferte Kommentator Rüdiger Wratschnig die Anekdote obendrauf: Vor lauter Aufregung machte er beim Interview aus Eddie Gustafsson kurzerhand Bengt-Åke Gustafsson – vorgetragen mit besonderer Betonung und sichtlichem Stolz. Aus dem Salzburger Torwarttrainer wurde so im Handumdrehen eine schwedische Eishockey-Legende. Hand aufs Herz: Wem wäre bei diesem Regen-Krimi nicht die eine oder andere Silbe verrutscht?
Beim WAC fehlte das letzte Türchen
Ab 2021 sammelte Pertlwieser bei den Wolfsberger Amateuren Spielpraxis im Erwachsenenfußball – satte 86 Partien in vier Regionalliga-Saisonen. Im April 2022 durfte er erstmals bei den Profis hineinschnuppern, doch zum Bundesliga-Debüt im Lavanttal kam es nie. Eine dieser Karriere-Weggabelungen, an denen viele Talente versanden. Pertlwieser nicht. Er wählte den Umweg über Amstetten – und der erweist sich jetzt als Abkürzung. Manchmal muss man eben einen Schritt zur Seite machen, um zwei nach vorne zu kommen.
Lustenau lockt – und der Spieler schwärmt
Bis 2029 hat sich der Verteidiger an die Vorarlberger gebunden, ein klares Bekenntnis auf beiden Seiten. Der Wechsel ins Ländle fühle sich für ihn genau richtig an, ließ Pertlwieser wissen – die Gespräche mit den Verantwortlichen hätten ihn von Anfang an überzeugt und ihm echte Wertschätzung vermittelt. Jetzt wolle er sich im Oberhaus beweisen und mit den Fans die besondere Atmosphäre in der SUN MINIMEAL Arena erleben. Dass er auf diesem Rasen bereits getroffen hat, dürfte das Heimischwerden nicht gerade erschweren.
Amstetten bleibt nur der Applaus
Beim SKU verabschiedet man den Abwehrchef mit warmen Worten, Dank für Einsatz und Engagement – und vermutlich einem leisen Seufzer. Denn so ehrenwert die Glückwünsche für die private und sportliche Zukunft sind: Eine Stütze dieser Güteklasse ersetzt man nicht per Knopfdruck. Für Pertlwieser dagegen schließt sich ein Kreis, der in Glanegg begann und nun in der höchsten Spielklasse des Landes weitergeht. Der Kärntner Fußball darf stolz sein – wieder einmal hat einer den langen Weg über die Provinz nach ganz oben gefunden.
Jetzt seid ihr dran!
Traut ihr Pertlwieser den Durchbruch in der Bundesliga zu? Und welches Talent aus dem Unterhaus schafft als Nächstes den großen Sprung? Schreibt es in die Kommentare – wir sind gespannt auf eure Einschätzungen!
In eigener Sache: Fußballkarrieren schreibt selten einer allein
Weil bei Werdegängen von Spielern gerne jeder ein Stück vom Förderkuchen abhaben möchte: Natürlich entsteht so eine Entwicklung nie durch eine einzelne Person, einen einzelnen Trainer oder einen einzigen Verein. Vom ersten Training im Nachwuchs bis zum Sprung in den Profifußball sind viele Menschen beteiligt – Trainer, Betreuer, Mitspieler, Funktionäre, Eltern, manchmal auch der Platzwart mit der rettenden Luftpumpe.
Wir erwähnen hier jene Stationen und Ereignisse, die uns vorliegen und nachvollziehbar sind. Wer ergänzende Informationen, Anekdoten, Fotos oder Hinweise zu weiteren prägenden Momenten aus Pertlwiesers Laufbahn – oder auch zu anderen spannenden Sportgeschichten – hat, darf sie uns gerne schicken. Wir schauen uns das an und ergänzen bei Bedarf. Fußball lebt schließlich von Erinnerungen, Details und Menschen, die genauer hinschauen.






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