Das Finale des UNIQA ÖFB Cup 2024/25 bietet eine reizvolle und für viele überraschende Paarung: Der RZ Pellets WAC trifft auf den TSV Egger Glas Hartberg. Beide Mannschaften haben sich ihren Platz im Endspiel am 1. Mai im Klagenfurter Wörthersee Stadion durch beeindruckende und dramatische Halbfinalleistungen redlich verdient. Für beide Klubs wäre der Titelgewinn ein historischer Erfolg.
Wolfsberger Nervenkrimi in Linz: „Finale fast daham“
Auch der Weg des RZ Pellets WAC ins Endspiel war an Dramatik kaum zu überbieten und markiert den erstmaligen Einzug in ein Cupfinale in der Vereinsgeschichte. Im Krimi beim LASK bewiesen die „Wölfe“ eine beeindruckende Moral und Nervenstärke. Die Partie begann denkbar unglücklich mit einem frühen und umstrittenen Gegentor durch Maximilian Entrup (4.), dem wohl ein klares Trikotziehen von Florian Flecker an Nico Wimmer vorausging. Der WAC fand lange nicht ins Spiel, doch Trainer Didi Kühbauer bewies mit seinen Halbzeitwechseln (Omic und Pink kamen) ein goldenes Händchen.
Die Kärntner wurden stärker, vergaben aber zunächst durch Ballo und Pink gute Möglichkeiten. In einer umkämpften Schlussphase war es Abwehrspieler Chibuike Nwaiwu, der nach einem präzisen Freistoß von Ervin Omic per Kopf den späten Ausgleich (84.) erzielte und sein Team in die Verlängerung rettete. Da dort keine Tore mehr fielen – auch weil LASK durch Andrade nur die Latte traf – musste das Elfmeterschießen entscheiden. Hier zeigten die WAC-Schützen (Omic, Schöpf, Kojzek, Ballo) keine Nerven und verwandelten allesamt, während beim LASK zwei Schützen scheiterten. Der 4:2-Sieg im Elfmeterschießen war der Lohn für eine echte Charakterleistung.
Hartbergs Triumph über die Austria: Der Bann ist gebrochen
Der TSV Hartberg steht sensationell und erstmals im Finale des ÖFB-Cups! Nach drei gescheiterten Anläufen in den Halbfinals (1995, 2012, 2022) gelang den Steirern im vierten Versuch der große Wurf. Gegen die favorisierte Wiener Austria setzten sich die Hartberger in einem intensiven Spiel mit 1:0 durch. Zum Helden des Abends avancierte Donis Avdijaj, der das entscheidende Tor erzielte. Der Sieg war laut Berichten verdient: Hartberg verteidigte mit Leidenschaft und Disziplin, brachte die Wiener Offensive zur Verzweiflung und setzte immer wieder eigene spielerische Akzente. Eine taktisch und kämpferisch herausragende Leistung ebnete den Weg ins Finale.
Ein Finale der besonderen Art – und eine Chance für den österreichischen Fußball
Das Endspiel in Klagenfurt bringt nun zwei Teams zusammen, die bewiesen haben, dass sie über sich hinauswachsen können. Hartberg überwand seine Halbfinal-Historie mit einer taktisch disziplinierten Leistung, während der WAC nach einem Rückstand und einem wahren Krimi erstmals das Finale erreichte. Gerade die Tatsache, dass sich mit Hartberg und dem WAC zwei hervorragend geführte Vereine abseits der oft genannten „Großen Vier“ durchgesetzt haben, verdient höchste Anerkennung.
Es ist jedoch bedauerlich und bezeichnend für die oft kritische Grundhaltung hierzulande, wenn im Vorfeld bereits über vermeintlich leere Ränge gespottet wird, nur weil nicht die üblichen Großklubs beteiligt sind. Während in Deutschland wohl auch ein Finale zwischen Teams wie Stuttgart und Bielefeld als sportliches Fest gefeiert und für ein ausverkauftes Stadion sorgen wird, scheint in Österreich oft das Raunzen und Meckern über die Paarung Vorrang vor der Anerkennung der gezeigten Leistungen und der Unterstützung im Stadion zu haben. Dies spiegelt leider einen mitunter geringen Stellenwert des Sports wider und es wäre wünschenswert, wenn die Freude am Ereignis und der Respekt vor der Leistung der agierenden Finalisten überwiegen würden. Schade, wenn die Chance auf ein Fußballfest durch unnötige Negativität getrübt wird.
Am 1. Mai dürfen sich die Fans im Wörthersee Stadion und vor den Bildschirmen (LIVE in ORF 1 ab 17:00 Uhr) auf ein hoffentlich spannendes und emotionales Duell freuen, an dessen Ende einer der beiden Vereine zum ersten Mal die begehrte ÖFB-Cup-Trophäe in die Höhe stemmen wird.