„Die Halle wird zur Falle!“ KAC-Fan warnt vor Ticketpreisen und fehlender Perspektive

Ein langjähriger KAC-Anhänger meldet sich mit deutlichen Worten zur Zukunft des Eishockey-Standorts Klagenfurt zu Wort.

KAC Fans Foto Bernd Stefan
KAC Fans Foto Bernd Stefan

Dietmar, Name der Redaktion bekannt, beschäftigt vor allem eine Frage: Wie lange lässt sich Spitzeneishockey finanzieren, wenn die Kosten weiter steigen, die Zuschauerkapazität aber kaum mitwächst?

Von 20 Schilling zu 26 Euro

Dietmar erinnert sich an Zeiten, in denen eine Stehplatzkarte vor der Jahrtausendwende noch rund 20 Schilling kostete. Für ein aktuelles Spiel gegen den HC Pustertal seien inzwischen 26 Euro fällig.

Seine Sorge: Gerade junge Zuschauer könnten bei solchen Preisen immer schwerer dauerhaft für den Hallenbesuch gewonnen werden.

Dazu kommt aus seiner Sicht ein weiterer Punkt. Trotz deutlich höherer Eintrittspreise sei das Zuschauererlebnis nicht automatisch besser geworden. Er selbst habe heute teilweise sogar schlechtere Sicht als früher in der alten Stadthalle.

Begrenzte Plätze, steigende Preise

Das eigentliche Problem sieht Dietmar aber nicht beim einzelnen Ticketpreis, sondern in der wirtschaftlichen Logik dahinter.

Wie in vielen Bereichen steigen auch im Profisport die Kosten. Personal, Energie, Reisen, Infrastruktur und Organisation werden teurer. Gleichzeitig bleibt die Zahl der verkaufbaren Plätze in Klagenfurt begrenzt.

Genau daraus entstehe ein gefährlicher Kreislauf: Wenn meist nur rund 4.000 bis 4.400 Tickets verkauft werden können, muss der Umsatz stärker über den einzelnen Besucher hereingeholt werden.

Dann wird der Eintritt teurer. Dann kostet auch das Bier irgendwann sieben Euro.

„Wie wollt ihr das in fünf Jahren machen?“

Dietmar formuliert seine Kritik ausdrücklich nicht als persönliche Abrechnung. Vielmehr will er an eine Diskussion erinnern, die Klagenfurt seit Jahrzehnten begleitet.

Bereits um 2005 habe es zahlreiche Entwürfe und Überlegungen für einen Hallenneubau gegeben. Standorte rund um Messe, Südring oder Flughafen seien diskutiert worden.

Am Ende scheiterte alles.

Heute dürfte ein Neubau angesichts gestiegener Baukosten und schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen noch komplizierter sein.

Derby-Nachfrage trifft auf Kapazitätsgrenze

Besonders deutlich zeigt sich das Problem bei den großen Spielen.

Ein Kärntner Derby gegen den VSV könnte aus Sicht von Dietmar problemlos 7.000, teilweise sogar 8.000 Besucher anziehen. Ähnliches gelte für attraktive Playoff-Partien.

Genau dort stößt das bestehende Modell an seine Grenzen.

Ein ausverkauftes Haus sieht auf den ersten Blick hervorragend aus. Wirtschaftlich bedeutet es bei zu geringer Kapazität aber auch: Zusätzliche Nachfrage kann gar nicht mehr bedient werden.

Oder anders gesagt: Der nächste zahlungswillige Fan bleibt draußen.

Umbau im alten Korsett als langfristiges Risiko

Dietmar spart auch bei der Hallenentscheidung nicht mit Kritik.

Der Umbau der bestehenden Arena innerhalb des alten baulichen Rahmens könne sich aus seiner Sicht langfristig als Falle erweisen. Seine Kritik richtet sich weniger gegen die Modernisierung selbst, sondern gegen die begrenzte Perspektive.

Denn Sponsoring, Medienarbeit, Merchandising und digitale Vermarktung können wachsen.

Die Zahl der Sitz- und Stehplätze wächst dadurch allerdings nicht.

Früher mehr Stimmung?

Auch atmosphärisch zieht der langjährige KAC-Anhänger einen Vergleich.

Er verweist auf Videoaufnahmen aus der Stadthalle aus dem Jahr 2019, unter anderem aus der Zeit mit Adam Comrie. Sein Eindruck: Damals sei die Stimmung deutlich intensiver gewesen.

Solche Vergleiche bleiben natürlich subjektiv.

Für einen Traditionsklub sind sie trotzdem relevant. Eine Eishalle verkauft schließlich nicht nur Eintrittskarten. Sie verkauft Emotion, Lautstärke, Nähe und das Gefühl, Teil eines besonderen Abends zu sein.

Auch Villach steckt im selben Dilemma

Dietmar blickt dabei nicht nur nach Klagenfurt.

Auch beim VSV sieht er ein strukturelles Problem. Mit rund 3.000 Zuschauern lasse sich Spitzeneishockey langfristig nur schwer betreiben, so seine Einschätzung.

Als Kontrast nennt er Zell am See. Dort könne man mit kleineren Zuschauerzahlen kalkulieren, weil sportliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen andere seien.

Die ICE Hockey League verlangt jedoch ein anderes finanzielles Fundament.

Schweizer Besuch als Realitätstest

Mit Spannung blickt Dietmar auch auf internationale Spiele, etwa gegen Fribourg.

Mit einer Portion Sarkasmus glaubt er bereits zu wissen, welche Fragen aus der Schweiz kommen könnten: Warum sind die Hallen in Österreich so klein? Und warum stehen so viele ausländische Spieler auf dem Eis?

Die Formulierung ist zugespitzt, der Kern dahinter aber ernst.

Internationale Spiele sind nicht nur sportliche Vergleiche. Sie zeigen auch, wie ein Standort bei Infrastruktur, Vermarktung und Rahmenbedingungen dasteht.

Die Hallenfrage ist nicht erledigt

Man muss nicht jede Zahl und jede Schlussfolgerung von Dietmar teilen.

Sein zentraler Einwand bleibt trotzdem spannend: Wie finanziert man auf Dauer internationales Spitzeneishockey, wenn Kosten wachsen, aber die Zahl der verkaufbaren Plätze kaum wachsen kann?

Der KAC kann digital mehr erlösen. Er kann Sponsoring ausbauen, Hospitality stärken und Merchandising besser vermarkten.

Aber ein ausverkaufter Platz lässt sich kein zweites Mal verkaufen.

Und deshalb könnte eine Debatte, die in Klagenfurt eigentlich längst beendet schien, irgendwann wieder zurückkommen: die Hallenfrage.

Was meint ihr: Reicht die aktuelle Arena langfristig für die Ambitionen des KAC oder wurde beim Umbau eine historische Chance vergeben? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

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