Krone-Knaller : VIP-Logen-Drama im Eishockey-Verband: Viel Rauch, wenig Fakten

Die Debatte um den Österreichischen Eishockeyverband wird schärfer. Doch gerade bei den lautesten Vorwürfen lohnt sich ein genauer Blick.

ÖEHV

Ein Konsortium will Präsident Klaus Hartmann stürzen, die Liga-Bosse spielen mit und die Krone titelt so, als hätte sich der ÖEHV eine Loge im siebten Himmel gebucht. Schauen wir uns an, was an der Aufregung wirklich dran ist, und was sich bei genauerem Hinsehen als ziemlich heiße Luft entpuppt.

Die Schlagzeile, die mehr verspricht als sie hält

„Wichtig sind VIP-Plätze und schöne Hotels” klingt nach einem Funktionär, der sich mit Champagner auf Kosten des Nachwuchses die Zeit vertreibt. Nur: Bei Weltmeisterschaften stellt in aller Regel der WM-Ausrichter den teilnehmenden Verbänden Sitzplätze und Unterkünfte zur Verfügung, das ist gängige Praxis im internationalen Sport und keine Extrawurst, die sich Hartmann selbst gebraten hätte. Wer daraus eine Schlagzeile über verbandsseitige Verschwendungssucht bastelt, verwechselt Standardprozedere mit Selbstbedienung. Klickstark ist das allemal, seriös eher nicht.

Ein Konsortium formiert sich, und ein bisschen Substanz steckt schon drin

Trotzdem: Ganz aus der Luft gegriffen ist der Ärger nicht. Vereinsvertreter aus Wien, Linz und Graz, angeführt von 99ers-Manager Bernd Vollmann, haben sich zusammengetan, weil sie die aktuelle Führung für nicht mehr belastbar halten. Der Zugriff auf eine Stiftung, die eigentlich für die Nachwuchsentwicklung gedacht war und stattdessen zur Deckung laufender Kosten herhalten musste, ist ein handfester Vorwurf und verdient eine ordentliche Antwort vom Verband, keine Nebelgranaten.

Frauen-Eishockey: Der Streit, den es zum Erscheinungstermin gar nicht mehr gab

Besonders schief liegt der Artikel beim Thema Frauen-Eishockey. Als aktueller Kritikpunkt dargestellt, war der Konflikt zwischen Verband und Nationalspielerinnen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung längst Geschichte. Bereits am 7. September, gut eine Woche vor dem Krone-Artikel, hatten sich ÖEHV und Team nach intensiven Gesprächen geeinigt: Ein umfangreicher Forderungskatalog der Spielerinnen mit neun Themenfeldern wurde abgearbeitet, ab 2027 kommt ein neues Vergütungsmodell für alle drei Senioren-Nationalteams, dazu Verbesserungen bei Betreuung und Rahmenbedingungen. Kapitänin Anna Meixner betonte danach, das Team wolle den Kopf wieder frei für den Sport haben. Wer das Thema Mitte September noch als aktuellen Beleg für “Rückschritt” anführt, berichtet schlicht am Stand der Dinge vorbei.

Sponsor-Pseudodeals: Eine Ohrfeige für alle, die tatsächlich zahlen

Weniger überzeugend wird es, wenn Vollmann die jüngst präsentierten Partnerschaften pauschal als „Sponsor-Pseudodeals” abtut. Das ist steile These, um nicht zu sagen: eine Frechheit gegenüber jedem Geldgeber, der dem österreichischen Eishockey tatsächlich unter die Arme greift. Wer sich die vergangenen Jahre ansieht, findet win2day als Hauptsponsor, dazu NOCCO, Napoleon, RED+, Radio 88.6, krone.at und zuletzt die Ascendia Gruppe samt EBNER GROUP als Ärmelsponsor der Frauen-Nationalmannschaft. Das pauschal als Fake abzustempeln, ist entweder Polemik oder schlicht respektlos gegenüber Partnern, die echtes Geld in die Hand nehmen. Kritik an der Vermarktung darf sein, Rufschädigung an Sponsoren nicht.

Zahlen, die im Krone-Artikel schlicht fehlen

Und da wären noch ein paar Fakten, die in der ganzen Stillstands-Erzählung seltsam unerwähnt bleiben. Der Medienwert des Verbands hat sich seit 2020/21 mehr als verdoppelt, auf über 10 Millionen Euro. Das Männer-Nationalteam holte bei der WM 2025 mit Rang 8 das beste Ergebnis seit 1994 und wurde später sogar zu Österreichs Mannschaft des Jahres gewählt. Die Frauen schafften mit dem historischen Aufstieg in die Top Division ebenfalls Verbandsgeschichte, im November steht erstmals die A-WM in Dänemark an. Dazu kommen Rekordzahlen bei lizenzierten Spielerinnen, Schiedsrichter:innen und Trainer:innen. Das heißt nicht, dass es keine Baustellen gibt, aber „Stillstand” ist definitiv das falsche Wort für eine Bilanz mit derart vielen historischen Bestmarken.

Christian Kern als Heilsbringer, aber wer steht wirklich hinter ihm?

Als möglicher Nachfolger wird Christian Kern gehandelt, dem im Artikel breite Rückendeckung aus fast allen Landesverbänden und zahlreichen Stakeholdern attestiert wird. Klingt nach einer Bewegung, die kurz vor der außerordentlichen Generalversammlung steht. Nur: Genau an diesem Punkt wird es spannend.

Faktencheck: Der Landesverbände-Sprecher weiß von nichts

Wir haben bei Michael Herzog-Löschnig nachgefragt, seit Juni 2026 als Vertreter der Landesverbände ins ÖEHV-Präsidium kooptiert und damit eigentlich genau die Person, die eine derart breite Zustimmung aus den Bundesländern am besten einschätzen können müsste. Seine Reaktion auf die Behauptung, nahezu alle Landesverbände und zahlreiche Stakeholder würden den neuen Weg mittragen: großes Erstaunen. Davon wisse er nichts. Allenfalls Steiermark und Wien könnten dabei sein, aber selbst das sei keineswegs gesichert. Das ist ein handfester Widerspruch zur Darstellung im Ursprungsartikel und macht deutlich, dass die angebliche Landesverbände-Front vorerst eher Wunschdenken als belegte Tatsache ist. Bevor hier von einer breiten Bewegung gesprochen wird, braucht es Butter bei die Fische, sprich verifizierbare Aussagen der einzelnen Landesverbände statt einer pauschalen Behauptung.

Fazit: Kritik ja, aber bitte mit Substanz

Dass es im ÖEHV knirscht, ist unbestritten, und manche Kritikpunkte, etwa der Zugriff auf die Nachwuchs-Stiftung, verdienen eine klare Antwort der Verbandsführung. Aber eine reißerische Schlagzeile über VIP-Logen, ein bereits gelöster Streit mit dem Frauen-Nationalteam, der als aktuelles Beispiel herhalten muss, eine Breitseite gegen die eigenen Sponsoren und eine Unterstützerfront, von der der zuständige Landesverbände-Vertreter selbst nichts weiß, das ist keine seriöse Aufarbeitung, sondern Wahlkampf mit Nebelmaschine.

Wie seht ihr das: Braucht der ÖEHV wirklich einen Wechsel an der Spitze, oder wird hier mit Halbwahrheiten Stimmung gemacht? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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