Tabellenführer ohne Publikum, Zuschauerkönig ohne Spitzenplatz: Die Kärntner Liga steht kopf!

Die Tabelle oben ist das eine. Wer wirklich die Herzen der Liga erobert, zeigt sich erst zwei Ebenen tiefer, bei der Torjägerliste und den Zuschauerzahlen. Und dort tobt gerade ein herrlich schräger Doppelkrimi.

Landskron vs Launsdorf Foto: Hermann Sobe
Landskron vs Launsdorf Foto: Hermann Sobe

Neun Runden sind gespielt, und die Kärntner Liga hat schon jetzt alles geliefert, was man von einer ordentlichen Herbstsaison erwartet: ein enges Spitzenfeld, einen einsamen Tabellenkeller, Torjäger im Dutzend und Kilometerzahlen, bei denen sich mancher Busfahrer eine Dieselzulage verdient hätte.

Oben wird es eng: Der KAC führt, aber alle atmen ihm im Nacken

Der FC KAC 1909 führt mit 20 Punkten aus sechs Siegen, zwei Remis und einer Niederlage (Tordifferenz +15). Dahinter schnauft der SC St. Veit als einziges ungeschlagenes Team der Liga: fünf Siege, vier Unentschieden, 19 Punkte und mit +17 das beste Torverhältnis. Genauso viele Punkte haben der SAK Klagenfurt und sensationell Aufsteiger SC Launsdorf. Grafenstein und Neuling SC Landskron folgen mit 17, Lendorf hält mit 15 noch Anschluss. Sechs Teams innerhalb von drei Punkten: Wer hier eine Woche patzt, rutscht schneller ab, als man “Videobeweis” sagen kann. Das Mittelfeld ist übrigens ebenfalls dicht gepackt. Matrei und Aufsteiger Seeboden halten bei je 13 Punkten, Ferlach bei 12.

Unten wird es einsam: Nußdorf wartet auf den ersten Sieg

Am anderen Ende steht der FC-WR Nußdorf mit einem Punkt, keinem Sieg und einer Torbilanz von 7:34. Wer so viele Gegentore kassiert, darf das Torwarttraining getrost auf die Tagesordnung setzen. Davor stehen Köttmannsdorf (2 Punkte, ebenfalls ohne Sieg), SV Dellach/Gail (5) und Liganeuling SGA Sirnitz (8). Spittal und Aufsteiger St. Michael/Lav. liegen mit 9 Punkten auf den Plätzen 11 und 12. Die Liga hat 30 Runden, die Rechnung ist also noch offen. Aber ein Punkt nach neun Spielen war ein Weckruf und der Trainer wurde vor dem 2:2 gegen Köttmannsdorf gewechselt.

Die Torjäger: Topcagic vorn, dahinter Gedränge

Mihret Topcagic (KAC) führt die Schützenliste mit 9 Treffern an. Bernhard Walzl (Grafenstein) hat 8 auf dem Konto, Mark Serbec (SAK) und Christian Wernisch (Lendorf) je 7. Danach wird es voll: Gleich acht Spieler stehen bei 6 Toren, nämlich Seid Zukic (Seeboden), Sebastian Bauer und David Gräfischer (beide Landskron), Maximilian Rupitsch (St. Veit), Hannes Schwarz (Ferlach), Florian Pechmann (Sirnitz), Fabian Gangl (Launsdorf) und Denin Matoruga (KAC). Mit 5 Toren lauern Sinan Samardzic (SAK), Marco Mischkounig (Köttmannsdorf) und Lukas Rabitsch (Grafenstein). Der KAC stellt gleich zwei der Top-Torjäger. Wer sich dort den Rang der Tabellenführer sichert, muss sich um die Offensive keine Sorgen machen.

Die Zuschauer: Matrei füllt die Ränge, der KAC die Ruhe

Union iDM Matrei ist das Publikumsmagnet der Liga: 710 Zuschauer im Schnitt, 3.551 gesamt aus fünf Heimspielen. Das sind rund 16 Prozent aller Besucher der Liga. Alle fünf Heimspiele stehen in der Top 10 der bestbesuchten Partien. Spitzenreiter ist das 3:1 gegen Sirnitz am 15. August mit 820 Fans. Dahinter folgen Seeboden (474), St. Veit (369), Nußdorf (320), Lendorf (316) und St. Michael/Lav. (310). Bemerkenswert: Nußdorf liegt im Zuschauerschnitt auf Rang vier und in der Tabelle auf Rang 16. Die Treue der Fans verdient zumindest ein Kompliment.

Ganz anders beim Tabellenführer: Der KAC kommt auf 138 Zuschauer im Schnitt, das Ligaschlusslicht. Vier seiner fünf Heimspiele tauchen in der Flop 10 auf, mit 100 bis 120 Fans. Die kleinste Kulisse der Saison gab es mit 90 Zuschauern beim 2:0 des SAK gegen Dellach/Gail. Auch ATUS Ferlach (194) und der SAK (212) liegen am unteren Ende. Sportlich vorn, auf den Rängen hinten: Das ist die Kärntner Version von “Leistung muss sich erst herumsprechen”.

Die Kilometer: Matrei fährt am weitesten, der KAC ums Eck

1.297 Kilometer in nur vier Auswärtsspielen: Matrei ist Kilometerkönig der Liga. Dahinter folgen Nußdorf (1.095), Dellach/Gail (1.091), St. Michael/Lav. (1.053) und Köttmannsdorf (964). Der KAC legt dagegen gerade einmal 237 Kilometer zurück, der SAK 375, Spittal 393. Der Ligaschnitt liegt bei 759 Kilometern pro Team, insgesamt sind es 12.150.

Auffällig: Die Teams auf den Kilometer-Rängen zwei bis fünf stehen in der Tabelle auf den Plätzen 16, 14, 12 und 15. Ob die lange Anreise wirklich Punkte kostet, geben die Zahlen nicht her. Ein Zufall ist es vermutlich nicht ganz, ein Grund für Nachsicht bei den Bussitzen aber allemal.

Ausblick: Das nächste Kontrastprogramm steigt am 3. Oktober

Schon in Runde 10 treffen am 3. Oktober um 19 Uhr Matrei und der KAC aufeinander: die Liga-Kulisse gegen den Tabellenführer, das Kilometer-Schwergewicht gegen den Nahverkehr. Am 2. Oktober eröffnet das Duell Sirnitz gegen SAK die Runde, am 3. Oktober folgt Landskron gegen St. Veit im Spitzenfeld.

Was meint ihr: Kann der KAC seine Führung verteidigen, oder schnappt sich St. Veit als ungeschlagenes Team die Spitze? Schreibt eure Tipps in die Kommentare!

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