Villach ist fix drin, Klagenfurt bleibt vor der Tür
Jetzt ist die Entscheidung offiziell – und sie hat durchaus Sprengkraft. Die Villach Lady Hawks, nicht zu verwechseln mit dem EC VSV, sind nach ihrem Probejahr mit Zweidrittelmehrheit fix in die EWHL aufgenommen worden. Für die KAC-Damen (auch ein eigenständiger Verein) gab es dagegen kein grünes Licht aus dem Kreis der bestehenden Vereine. Sportlich ist das für Klagenfurt ein Dämpfer, strukturell aber alles andere als ein Zufall.
Denn hinter dem Votum steckt kein Bauchgefühl, sondern ein Problem, das in Kärnten schon länger unter der Oberfläche brodelt: Die Spielerinnenbasis ist schlicht zu schmal, um dauerhaft drei ambitionierte Damenteams auf stabile Beine zu stellen.
Drei Teams, aber nur ein begrenzter Pool
Genau hier liegt der wunde Punkt. Kärntens Frauen-Eishockey will wachsen, keine Frage. Nur: Wachstum auf Zuruf funktioniert eben nicht. Wenn mehrere Teams auf denselben kleinen Spielerinnenpool zugreifen, wird aus sportlichem Ehrgeiz schnell ein Verteilungskampf auf Kufen.
Wie eng die Lage tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Kader. Im Aufgebot der KAC-Damen für die Saison 25/26 standen gleich 12 Spielerinnen, die auch bei den Lakers Kärnten aktiv sind. Das ist kein Randaspekt, das ist der Kern des Problems.
Würden KAC Frauen und Lakers Kärnten in ein und derselben Liga – also in der EWHL – spielen, wäre die nächste Schieflage praktisch vorprogrammiert. Die Spielerinnen wären dann klarerweise nur noch für ein Team spielberechtigt. Anders gesagt: Ein Verein würde zwangsläufig durch den Rost fallen.
EWHL und DEBL: Die pragmatische Lösung statt Prestige-Duell
Genau deshalb wirkt die derzeitige Aufteilung deutlich sinnvoller. Spielen die Lakers Kärnten in der EWHL und die KAC-Damen in der DEBL, können Spielerinnen in beiden Ligen eingesetzt werden. Das bringt Flexibilität, entschärft den personellen Druck und hält beide Standorte zumindest vorerst über Wasser.
Es ist vielleicht nicht die glamouröseste Variante, aber sicher die vernünftigere. Denn zwei Teams in derselben Liga klingen in der Theorie nach Aufbruch, in der Praxis aber eher nach einer Einladung zum Kaderkollaps. Große Träume sind schön – nur spielen sie leider keine dritte Linie.
Die Sorge um die Lakers schwang bei der Abstimmung mit
Dass diese Konstellation bei der Abstimmung eine Rolle gespielt hat, liegt auf der Hand. Wäre der KAC bereits heuer in die EWHL aufgenommen worden, hätte man wohl mit einem deutlich ausgedünnten Kader arbeiten müssen. Sportlich wäre das unerquicklich gewesen, strukturell womöglich brandgefährlich.
Die Sorge der Liga dürfte klar gewesen sein: Sollte der KAC künftig verstärkt Spielerinnen mit Kärntner Wurzeln nach Klagenfurt ziehen, könnten andere bestehende Teams ins Wanken geraten. Vor allem die Lakers Kärnten wären in diesem Szenario wohl massiv unter Druck geraten.
Darum ist die ablehnende Haltung der EWHL-Vereine nachvollziehbar – auch wenn sie aus KAC-Sicht natürlich bitter schmeckt. Es war weniger ein Nein zur Qualität, sondern vielmehr ein Nein zu einer riskanten Gesamtkonstellation.
Ohne Nachwuchs wird es eng – FÜR ALLE
Langfristig bleibt ohnehin die entscheidende Frage offen: Wie stabil ist das Fundament? Ohne nachhaltige Nachwuchsarbeit und ohne zusätzliche Teams im Hintergrund wird es für die Lakers Kärnten zunehmend schwierig, sich dauerhaft zu behaupten.
Ein möglicher Denkanstoß wäre eine engere Kooperation mit dem Nachwuchs des HC Ferlach und dem neu gegründeten Team The Noreias von Yvonne Grascher. Genau dort könnte ein Teil der Lösung liegen. Denn wer auf Dauer bestehen will, braucht nicht nur Schlagzeilen, sondern vor allem Substanz.
Bis die Mädchen des KAC oder des VSV das Niveau erreichen, um in der DEBL oder sogar in der EWHL zu spielen, werden noch viele Jahre vergehen – eine Entwicklung, die man leider zu lange verschlafen hat. Trotz hervorragender Nachwuchsarbeit wurde der Frauenbereich dabei zu wenig berücksichtigt.
Alte Strukturen, neue Spannungen
Brisant wird die Diskussion auch abseits des Eises. Aus dem Umfeld kommt der klare Vorwurf, dass es am Ende vor allem ums Geld gehe. Die zugespitzte Lesart: Villach und Klagenfurt würden daran arbeiten, die Lakers Kärnten aus dem Rennen zu drängen. Das ist harter Tobak – und zeigt, wie aufgeladen die Lage inzwischen ist.
Viel Einsatz, wenig Anerkennung
Vor kurzem war in einer Tageszeitung noch von einer angeblichen Schieflage die Rede, weil bei den Lakers Kärnten mit Margit Schwarz eine KEHV-Vizepräsidentin als Obfrau fungiert. Das klingt zunächst nach einem saftigen Vorwurf, hält einer genaueren Betrachtung aber nicht stand.
Denn wer etwas tiefer recherchiert hätte, wäre rasch auf einen entscheidenden Punkt gestoßen: Der KEHV forciert gemeinsam mit seinen Vereinen seit Jahren gezielt das Mädchen-Eishockey in Kärnten. In diesem Zusammenhang wurde auch das Team der Lakers Kärnten, zuvor als Southern Stars bekannt, über den Verband geführt und später lediglich aus fördertechnischen Gründen wieder ausgegliedert. Das war keine fragwürdige Konstruktion, sondern ein pragmatischer Zugang, um Frauen-Eishockey in Kärnten überhaupt tragfähig zu halten.
Natürlich geht es dabei – wie so oft im Sport – auch ums finanzielle Überleben. Gerade deshalb wirkt es umso befremdlicher, ehrenamtlich engagierte Menschen an den Pranger zu stellen und daraus eine Schieflage basteln zu wollen. Das ist schon ein ziemlich bitterer Beigeschmack, zumal hier oft jene kritisiert werden, die über Jahre überhaupt erst Strukturen aufgebaut haben.
Die Lakers Kärnten haben dank des Einsatzes des KEHV und der Familie Ropatsch bereits EWHL gespielt, als manche Großklubs die Worte Frauen-Eishockey noch nicht einmal Buchstabieren konnten – vom systematischen Aufbau und der Ausbildung von Mädchen ganz zu schweigen. Erst in den vergangenen zwei Jahren scheint dort plötzlich etwas mehr Interesse aufgekommen zu sein. Schön, dass es dieses Interesse nun gibt. Nur sollte man dabei nicht so tun, als hätte die Geschichte des Frauen-Eishockeys in Kärnten erst gestern begonnen.
Viel Zündstoff, wenig Spielraum
Unterm Strich ist die Entscheidung der EWHL logisch, auch wenn sie emotional polarisiert. Villach hat sich seinen Platz sportlich verdient. Der KAC muss weiter warten. Und Kärnten steht vor der unbequemen Wahrheit, dass sportlicher Ehrgeiz allein nicht reicht, wenn die personelle Basis zu schmal ist.
Die eigentliche Herausforderung beginnt also erst jetzt: Wie schafft man ein Modell, in dem nicht ein Verein auf Kosten des anderen wächst? Denn klar ist auch – wenn alle an derselben Decke ziehen, steht am Ende schnell jemand ohne warme Füße da.
Was meint ihr: Hat die EWHL richtig entschieden oder bremst diese Absage die Entwicklung des Frauen-Eishockeys in Kärnten unnötig aus? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!






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