Playoff-Zeit: Jetzt wird nicht mehr gerechnet, jetzt wird geliefert
Nach dem letzten Spiel des Grunddurchgangs durften die topplatzierten Teams der EWHL ihre Viertelfinalgegnerinnen selbst wählen. Klingt ein bisschen nach Wunschkonzert – ist aber vor allem knallharter Playoff-Alltag. Gespielt wird im CHL-Format mit Hin- und Rückspiel: Das erste Duell steigt am 13.03. beim schlechter gesetzten Team, das Rückspiel folgt am 15.03. beim besser platzierten Klub.
Heute richtet sich der Blick auf eine besonders reizvolle Paarung: Die Villach Lady Hawks, als Liganeuling gleich auf Rang sieben gelandet, bekommen es mit Titelverteidiger Aisulu Almaty zu tun. Papierform? Spricht klar für die Kasachinnen. Playoffs? Schreiben bekanntlich gern ihre eigenen Geschichten.
Der Saisonstart war bitter – aber Villach hat sich längst geschüttelt
Die bisherigen beiden Duelle gingen deutlich an Aisulu. Zum Auftakt setzte es für Villach ein 3:8, wenige Tage später folgte ein 1:5. Zwei klare Niederlagen, keine Frage. Aber: Beide Spiele fanden ganz am Anfang der Saison statt – in einer Phase, in der die Kärntnerinnen ihre ersten fünf Partien allesamt verloren haben und erst einmal schmerzhaft in der Liga ankommen mussten.
Mittlerweile ist die Ausgangslage eine andere. Villach hat im Laufe der Saison gezeigt, dass man nicht bloß mitspielt, sondern auch richtig unangenehm werden kann. Der 4:2-Erfolg gegen Grunddurchgangssieger Sabres St. Pölten war schließlich kein Zufallstreffer aus der Kategorie „einmal im Jahr ist Kirchtag“. Auch der Derbysieg gegen die Lakers Kärnten hat gezeigt, dass dieses Team gelernt hat, sich zu wehren – und zwar ordentlich.
Liga Miljone: Ein Name, der hält, was er verspricht
Wenn bei den Villach Lady Hawks eine Spielerin herausragt, dann natürlich Liga Miljone. Die Lettin legte in nur 21 Spielen sagenhafte 53 Punkte auf – 23 Tore, 30 Assists. Das ist keine gute Ausbeute, das ist ein sportliches Ausrufezeichen mit Leuchtreklame. Wer solche Zahlen liefert, ist nicht nur Topscorerin, sondern praktisch ein Dauerproblem für jede gegnerische Defensive.
Auch Hayley Chang und Julija Blazinsek gehören zu den zentralen Figuren im Spiel der Villacherinnen. Dieses Trio trägt offensiv viel Verantwortung – vielleicht sogar sehr viel. Dazu noch die starke Torfrau Jane Gervais. Genau hier liegt auch die spannende Frage des Abends: Reicht die individuelle Qualität der Hawks, wenn die Beine schwer werden und die Linien kurz bleiben?
Aisulu lebt vom Kollektiv – und genau das macht den Champion so gefährlich
Auf der anderen Seite wartet mit Aisulu Almaty ein Team, das seine Klasse nicht nur über Einzelspielerinnen definiert. Die beste Punktesammlerin der Kasachinnen ist Lauren Nicholson mit 29 Zählern – stark, aber eben nicht das alleinige Fundament. Aisulu überzeugt vor allem durch Geschlossenheit, Tiefe und Struktur. Anders gesagt: Da fällt nicht alles auf eine Spielerin zurück, sondern das ganze Räderwerk greift sauber ineinander.
Und genau das macht Titelverteidiger so unangenehm. Während Villach auf einzelne Unterschiedsspielerinnen setzen kann, kommt Aisulu als eingespieltes Kollektiv daher. Keine Glanz-und-Glamour-Show, eher ein Eishockey-Orchester mit ziemlich wenig schiefen Tönen.
Heute ab 20:15: Hält Villach dagegen oder zieht Aisulu den Stecker?
Ab 20:15 wird sich zeigen, ob die Villacherinnen mit ihrem kurzen Lineup gegen diese mannschaftliche Wucht bestehen können. Die Außenseiterrolle ist klar verteilt, aber genau das kann manchmal ein Vorteil sein: weniger Druck, mehr Mut, und im besten Fall ein Abend, an dem plötzlich alles zusammenpasst.

Ab 20:15 läuft der Livestream auf Sporteurope TV. Am Mikrofon: Rüdiger Wratschnig, ein Experte mit scharfem Blick, spitzer Zunge und mehr Eishockey-Wortschatz als manche Teams Wechselmöglichkeiten haben.
Alle Viertelfinal-Paarungen im Überblick
Aisulu Almaty gegen VSV Lady Hawks
Sabres St. Pölten gegen DEC Salzburg Eagles
EVB Eagles South Tyrol gegen KSV Highlanders
HK PSRZ Bratislava gegen MAC Budapest
Die große Frage vor dem Bully
Kann Villach mit seiner Topreihe für eine echte Überraschung sorgen – oder zeigt Aisulu einmal mehr, warum Titelverteidiger selten aus Versehen Titelverteidiger sind? Schreib deine Einschätzung in die Kommentare: Gibt’s heute die Sensation oder die nächste Lektion für den Liganeuling?






