Lange auf Augenhöhe, am Ende bitter bestraft
Der VSV hat im zweiten Viertelfinalduell der win2day ICE Hockey League lange wie ein echter Playoff-Fighter dagegengehalten, sich am Ende aber deutlich mit 1:5 gegen die Graz 99ers geschlagen geben müssen. Und das Ergebnis klingt noch brutaler, als die Partie über weite Strecken tatsächlich war.
Denn zwei Drittel lang lieferten die Villacher vor eigenem Publikum eine disziplinierte, engagierte und defensiv stabile Vorstellung ab. Die Adler warfen sich in Schüsse, verteidigten den Slot mit viel Herz und hielten die offensivstarken Grazer erstaunlich gut in Schach. Nur: Im Eishockey gibt es für anständige Defensivarbeit leider keine Extrapunkte – und im Schlussdrittel zeigten die Gäste, wie gnadenlos effizient Playoff-Hockey sein kann.
Villach hält dagegen – und hat selbst die Chancen
Wie schon im ersten Spiel kamen die Grazer mit ordentlich Dampf aus der Kabine. Die Anfangsphase gehörte klar den Gästen, die den VSV früh in der eigenen Zone einschnürten. Doch Villach blieb ruhig, verteidigte clever und ließ zunächst nur harmlose Distanzschüsse zu.
Mit Fortdauer des ersten Drittels fand auch der VSV besser in die Partie – und meldete sich durchaus gefährlich an. Vallant setzte ein erstes starkes Zeichen von der blauen Linie, Lagacé ließ abprallen, doch Hughes brachte die Scheibe am langen Pfosten nicht im fast leeren Tor unter und traf nur die Stange. Das war so eine Szene, bei der man schon kurz die Hände oben hat – und dann doch nur ungläubig aufs Gestänge starrt.
Auch im Powerplay zeigten die Villacher ansprechende Ansätze. MacPherson kam zu guten Abschlüssen, ein weiterer Versuch strich nur hauchdünn am langen Eck vorbei. Auf der anderen Seite stand auch Cannata mehrfach im Mittelpunkt, während die Villacher Unterzahl sehr konzentriert arbeiteten. Als Roy in der 13. Minute die Stange traf, war endgültig klar: Dieses Spiel würde kein gemütlicher Nachmittagsspaziergang werden.


Torlos, aber keineswegs ereignisarm
Das zweite Drittel blieb ohne Treffer, war aber alles andere als langweilig. Beide Teams lieferten sich einen intensiven Schlagabtausch, bei dem der VSV phasenweise sogar gefährlicher wirkte. Teasdale vergab nach einem Konter, Scherbak scheiterte nach einem Grazer Aufbaufehler an Lagacé, und auch Helewka ließ bei einem 2-auf-1 eine dicke Möglichkeit liegen.
Gerade in dieser Phase war Villach voll drin im Spiel – vielleicht sogar ein kleines Stück näher an der Führung. Dazu kam eine Szene, die durchaus für Diskussionen sorgte, als Ganahl Vallant im Slot rustikal von den Beinen holte und die Pfeife der Referees stumm blieb. Sagen wir es freundlich: Das war eher Kategorie „kann man pfeifen“ als „muss man übersehen“.
Defensiv blieb der VSV weiter äußerst ordentlich organisiert, ließ Graz kaum zu klaren Chancen kommen und hielt das Spiel offen. Strong traf noch die Stange, Lagacé rettete mehrfach stark – es war eines dieser Drittel, in denen man als Heimteam eigentlich das Gefühl hat: Da geht was. Aber eben nur eigentlich.
Der Knackpunkt: Graz schlägt eiskalt zu
Dann kam das Schlussdrittel – und mit ihm die kalte Dusche für Blau-Weiß. Gleich zu Beginn leistete sich der VSV in der neutralen Zone zu wenig Zugriff, Graz schaltete blitzschnell um und Huber durfte im Slot viel zu frei abschließen. Das 0:1 war nicht nur der Rückstand, sondern auch der erste echte Riss im Villacher Fundament.
Wenig später folgte gleich der nächste Nackenschlag: Ein zunächst ungefährlicher Schlenzer von Kotkansalo wurde von Harnisch entscheidend abgefälscht – Cannata war machtlos, 0:2. Und plötzlich war das Spiel, das zuvor so eng und ausgeglichen wirkte, gekippt.
Villach versuchte alles, kam auch zu seinen Chancen, doch Lagacé machte den Spielverderber. Teasdale, van Nes und Hughes fanden in aussichtsreichen Positionen kein Vorbeikommen. Auf der Gegenseite blieb Graz brandgefährlich und nutzte schließlich auch noch einen glücklichen Abpraller zum 0:3 durch Currie. Das war die Vorentscheidung – und gleichzeitig die bittere Quittung für einen Abend, an dem der VSV viel investierte, sich aber für den Aufwand viel zu wenig belohnte.
Rebernig gibt kurz Hoffnung – Graz macht den Deckel drauf
Mit gezogenem Goalie und vollem Risiko stemmte sich Villach noch einmal gegen die Niederlage. Und tatsächlich keimte kurz Hoffnung auf, als Rebernig nach starker Vorarbeit von Teasdale auf 1:3 verkürzte. Das Stadion durfte noch einmal kurz daran glauben, dass hier vielleicht doch noch ein kleines Playoff-Wunder in der Luft liegt.
Aber Graz erstickte diese Hoffnung schnell und kompromisslos. Erst landete die Scheibe im leeren Tor zum 4:1, ehe Lippitsch kurz vor Schluss auch noch den fünften Treffer nachlegte. Damit stand am Ende ein 1:5 auf der Anzeigetafel – ein Resultat, das hart wirkt, aber vor allem die gnadenlose Effizienz der Steirer im letzten Abschnitt widerspiegelt.
Fazit: Viel Einsatz, wenig Ertrag
Der VSV hat sich über 40 Minuten teuer verkauft, defensiv diszipliniert gearbeitet und die Partie lange offen gehalten. Genau das macht diese Niederlage so ärgerlich. Denn das Fundament war da, die Chancen ebenfalls – nur in den entscheidenden Momenten fehlte die Kaltschnäuzigkeit. Graz hingegen spielte im Schlussdrittel Playoff-Hockey in Reinform: schnörkellos, effizient, abgezockt.
Unterm Strich steht damit das bittere 0:2 in der Serie. Für die Adler heißt das jetzt: Mund abwischen, Fehler analysieren und schleunigst wieder mehr Zielwasser finden. Denn nur brav mitzuspielen reicht in einer Viertelfinalserie ungefähr so weit wie Sommerreifen auf der Schipiste.
Und jetzt seid ihr dran
War das 1:5 am Ende zu deutlich – oder hat Graz dem VSV im Schlussdrittel einfach brutal die Grenzen aufgezeigt? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!






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