Vom Bauernbuben zum Kommerzialrat – eine Geschichte, die man sich nicht ausdenken kann
Ein Elfjähriger auf dem Bauernhof in Eberndorf – wer hätte gedacht, dass aus diesem Kind einer der prägendsten Unternehmer Kärntens der Nachkriegszeit wird? Adolf Gojer, geboren am 7. März 1938, ist im 88. Lebensjahr verstorben. Und mit ihm geht eine Ära: jene Zeit, in der der Handschlag noch mehr galt als jeder Vertrag und Heimatverbundenheit kein Marketingslogan war, sondern gelebte Überzeugung – jeden einzelnen Tag.
Mit 22 hinter dem Lenkrad, mit 27 Chef im eigenen Betrieb
Gojer ließ sich keine Zeit. Mit 18 Jahren startete er beim Maschinenhof der Kärntner Landesregierung, mit 22 saß er als Kraftfahrer bei der Firma Schwab hinter dem Steuer – und dann, 1965, folgte der kühne Sprung in die Selbstständigkeit. Fäkalienabfuhr klingt nach wenig Glamour, war aber das Fundament für ein Unternehmen, das heute rund 100 Mitarbeitende beschäftigt und mit mehr als 60 Fahrzeugen durch die Kärntner Landschaft rollt. 1971 folgte der Ausbau zur vollständigen Müllabfuhr, 1991 der Umzug an den Betriebsstandort nach Kohldorf, 1997 die Gründung der Kärntner Entsorgungsdienst GmbH, 2002 die Rosentaler Entsorgungsservice KEG. Wer also sagt, dass man mit Abfall keine großen Dinge aufbauen kann, hat Gojer nie kennengelernt.
Honorarkonsul der Mongolei – weil Kärnten ihm einfach zu klein war
Hier wird die Geschichte richtig spannend: Während andere Unternehmer seiner Generation beim zweiten Campari über den Tellerrand blickten, reiste Gojer ab 2002 in die Mongolei, knüpfte beharrlich Wirtschaftskontakte und wurde schließlich am 5. Jänner 2007 zum ersten Honorarkonsul der Mongolei in Österreich ernannt. Den Titel Kommerzialrat hatte ihm das Land Kärnten bereits 1988 verliehen – verdient, wie kaum jemand bestreiten würde. Brückenbauer zwischen Ulaanbaatar und Eberndorf: Das hat so schnell niemand sonst auf der Visitenkarte.
Der Gentleman des Bezirks Völkermarkt
Es gibt Sponsoren – und dann gibt es Adolf Gojer. Während viele Förderer ihr Engagement strategisch auf einen Verein oder eine Sportart beschränken, war Gojer für den gesamten Bezirk Völkermarkt und weit darüber hinaus so etwas wie ein stiller, verlässlicher Garant. Ob Rotes Kreuz, Feuerwehr, Handball oder Fußball – kaum ein Verein in der Region, der in den vergangenen Jahrzehnten nicht irgendwann auf seine großzügige Unterstützung zählen durfte. Kein großes Aufheben, kein Tamtam, keine Gegenleistung erwartet. Einfach helfen, weil es für ihn selbstverständlich war.
Man nennt solche Menschen Gentlemen. Im Kärntner Volksmund würde man schlicht sagen: Er war einer von den Guten. Und davon gibt es nie genug.
Der SK Kühnsdorf-Klopeinersee trauert um seinen treuesten Weggefährten
Was bleibt, wenn man die Bilanzen beiseitelegt? Die Verbundenheit. Gojer war kein Sponsor, der seinen Namen auf ein Trikot drucken ließ und sich beim nächsten Budgetengpass still verabschiedete. Er war echter, verlässlicher Rückhalt für den SK Kühnsdorf-Klopeinersee – über Jahrzehnte, ohne Kalkül, aus echter Überzeugung und tiefer Liebe zur Heimat. Die Vereinsgemeinschaft findet dafür die einfachsten und gleichzeitig berührendsten Worte: „Danke für deine Treue. Wir werden dich nicht vergessen.” Mehr braucht es manchmal nicht.

Ein Lachen als Markenzeichen – und als bleibendes Vermächtnis
Auf dem Abschiedsbild des SKK strahlt er. Dieses Lachen war kein PR-Auftritt, kein Pflichttermin, sondern der Ausdruck eines Mannes, der anpackte, der half und der nie vergaß, woher er kam. Adolf Gojer hinterlässt ein Familienunternehmen, das zu den bedeutendsten Entsorgungsbetrieben ganz Kärntens zählt – und eine ganze Region, die ihm schlicht und ergreifend viel zu verdanken hat. Kärnten verliert mit ihm einen jener seltenen Menschen, die mit beiden Beinen tief in der Heimaterde verwurzelt waren und trotzdem mit dem Kopf mutig die Welt erkundeten.
Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und allen Angehörigen.






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