Letzter Spieltag, kein Jubel – aber auch kein Abschied
Schöner Abschluss sieht anders aus. Daheim gegen Landhaus gab’s für die Kraiger Frauen ein ungemütliches 0:3 auf die Ohren, und der anschließende Rutsch auf Platz 10 ließ kurz den Puls steigen. Abstieg? Wäre man bei normaler Lage des Falles fällig gewesen. Aber der österreichische Frauenfußball hält manchmal Überraschungen bereit, die selbst Fußballkenner ins Staunen versetzen.
Betreuer Manuel Knapp brachte es auf den Punkt: Neulengbach zieht sich oben zurück, aus dem Westen will kein Verein in die 2. Liga hoch – also steigt nur der Letzte ab. Kraig ist Drittletzter. Kraig bleibt drin. Wie das Glück manchmal spielt.
Eine Saison mit mehr Drama hinter den Kulissen als auf dem Platz
Was auf dem Rasen von Guttaring – man beachte: nicht in Kraig selbst gespielt worden war – noch überschaubar dramatisch wirkte, hatte vereinsintern schon länger gezündelt. Die große Frage: Kann sich der SV Hirter Kraig ein Bundesliga-Frauenteam überhaupt leisten? Rund 50.000 Euro kostet so eine Saison laut Ex-Obmann Jannach, und das ist kein Pappenstiel für einen Kärntner Amateurverein.

Bürgermeister und damals Obmann Harald Jannach löste das Problem auf seine eigene Art: Er übernahm persönlich die Patronanz, haftete mit eigenem Namen, damit die Frauen spielen konnten – ohne den Gesamtverein zu belasten. Ein Schritt, den man ruhig als außergewöhnliches Engagement bezeichnen darf. Oder, weniger diplomatisch: Ohne ihn hätte es das Team womöglich nicht gegeben.
Jannach geht – und hinterlässt mehr als einen leeren Stuhl
Letzten Donnerstag trat Jannach bei der Generalversammlung als Obmann zurück. Er war nach dem plötzlichen Tod von Günter Liegl 2024 eingesprungen – immer mit dem klaren Vorbehalt, dass das keine Dauerlösung sein sollte. Sein Abgang klingt nach einem, der Frieden hat mit seiner Entscheidung: toller Nachwuchs, tolle Infrastruktur, persönliche Eitelkeiten im Verein interessieren ihn nicht die Bohne.
Und finanziell? Die Frauen haben sich selbst stabilisiert. Heimschnitt von 350 Zuschauern, ein paar Sponsoren an Bord – die Patronanz braucht’s nicht mehr, so Jannach. Ich bleibe dem Verein verbunden, nur eben ohne Funktion. Nicht das schlechteste Ende einer außergewöhnlichen Geschichte.
650 Fans gegen Rapid – und der Meister schaut neidisch
Zahlen, die aufhorchen lassen: Beim Heimspiel gegen Rapid kamen 650 Besucher in die KM-Bau Arena Guttaring, beim Derby gegen Klagenfurt waren es 585. Zum Vergleich: Meister Krottendorf lockte beim Rapid-Spiel gerade mal 300 Fans an. Kraig landete damit beim zweitbesten Zuschauerschnitt der gesamten Liga – hinter Rapid.
Kloiber-Pammer übernimmt das Steuer
Neuer Obmann beim SV Hirter Kraig ist ab sofort Gernold Kloiber-Pammer – Zentralinspektor beim GRAWE Kundencenter Sankt Veit und Gemeinderat der Stadtgemeinde Althofen. Ein Mann mit Netzwerk, könnte man sagen. Ob er die Handschrift seines Vorgängers fortführt oder eigene Akzente setzt, wird die kommende Saison zeigen. Die Erwartungshaltung jedenfalls ist gesetzt – Jannach hat die Latte ordentlich hochgelegt.
Neue Strukturen, neuer Name, neuer Trainer gesucht
Manuel Knapp, der bereits im April als Sektionsleiter in Kraig hingeworfen hatte, konzentriert sich künftig ausschließlich auf die sportliche Leitung der Frauen. Und die spielen nächste Saison womöglich gar nicht mehr als SV Kraig – eine Spielgemeinschaft mit Guttaring ist in Planung. „SG Guttaring/SV Kraig” soll der neue Name in der 2. Bundesliga sein. Fix ist das noch nicht. Fix ist dafür: Nach der Trennung von Roland Kosnjek wird wieder einmal ein Trainer gesucht. Der nächste Akt beginnt.
Was meint ihr: Ist eine Spielgemeinschaft mit Guttaring die richtige Lösung für die Zukunft der Frauen aus Kraig – oder verliert der Verein damit seine Identität? Kommentiert gerne!





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