Er stand neun Jahre lang als Nummer eins beim Wolfsberger AC zwischen den Pfosten, feierte Europa League-Auftritte, trug die Kapitänsbinde der Wölfe – und steht heute in der Regionalliga Mitte im Kasten seines Heimatvereins. Klingt nach Rückschritt? Von wegen. Das ist gelebte Fußballromantik auf höchstem Niveau.
Von der Kärntner Unterliga bis in die Europa League – ein Weg für die Geschichtsbücher
Die Karriere von Alexander Kofler liest sich wie ein Drehbuch, das kein Hollywoodproduzent besser hätte schreiben können. Und das beginnt schon bei den Wurzeln: Vater Günther Kofler war selbst jahrzehntelang Torhüter beim ATUS Velden – und nebenbei Wirt des legendären, charmant berüchtigten KKK Kofler, dem heutigen Bluesiana in Velden. Torwart-Gene und Gastfreundschaft liegen bei den Koflers also gleichermaßen in der Familie.

Geboren am 6. November 1986 in Klagenfurt, begann Alexander 1994 – da war er gerade mal sieben Jahre alt – beim ATUS Velden zu kicken. Allerdings zunächst keineswegs zwischen den Pfosten: Der junge Kofler probierte sich auf allen Positionen aus, bevor er es schließlich seinem Vater gleichtat und ins Tor wechselte. Dass die Entscheidung für die Handschuhe nicht selbstverständlich war, zeigt ein weiteres Detail dieser außergewöhnlichen Biografie: Eishockey-Trainerlegende Hermann Knoll wollte ihn zum VSV lotsen – auch im Eishockey war Kofler kein unbeschriebenes Blatt. Obendrauf spielte er beim DSG Volksbank Velden auch noch Tischtennis auf respektablem Niveau. Ein echter Multisportler, dem Kärnten offenbar zu viele Talente auf einmal mitgegeben hat.
Mit 14, 15 Jahren war dann Schluss mit der sportlichen Vielfalt – Alexander Kofler traf seine Entscheidung: Fußball. Der Rest ist Geschichte. Der Weg führte ihn über SC Landskron, ASKÖ Fürnitz und schließlich zum SAK Klagenfurt in die Regionalliga. Die Kärntner Akademie? Hat ihn nicht genommen. Macht nichts – wer ein klares Ziel vor Augen hat, findet seinen Weg. Und was für einen Weg das war.
Endlich ist es soweit! Der Pass bleibt in Velden – sicherheitshalber. Soldo ist unsere Nummer 1, dahinter wollen wir junge Keeper aufbauen und entwickeln. Ein bisschen Keeper-Schule vom Alten schadet ja nie. Und falls wirklich mal der Notfall eintritt: Die Handschuhe hängen noch nicht im Museum.
Die Zahlen lügen nicht – eine Karriere in Zahlen
Ein Blick auf die Leistungsdaten zeigt, was Kofler wirklich war: ein verlässlicher Profi über viele Jahre hinweg. 248 Pflichtspiele allein für den Wolfsberger AC – dazu kommen 99 Einsätze für Austria Lustenau, 70 für den SAK Klagenfurt und 22 für den SC Landskron. Insgesamt stehen 513 Pflichtspiele in seiner Karriere zu Buche – eine Zahl, bei der so manchem Nachwuchskeeper schwindelig wird.
Die Transferhistorie erzählt dabei eine ebenso klare Geschichte: Vom ATUS Velden über Landskron, Fürnitz, SAK Klagenfurt, Austria Lustenau schließlich zum WAC – und nach dem Karriereende 2022 zurück nach Velden. Ablösefrei, wie es sich für einen Kärntner Eigengewächs gehört. Der einzige nennenswerte Transfererlös seiner Karriere: 10.000 Euro beim Wechsel von Klagenfurt nach Lustenau. Der WAC hat damals das Schnäppchen des Jahrzehnts gemacht.
251 Spiele für die Wölfe – und dann die große Stille? Nicht mit Kofler!
Nach neun Jahren in Wolfsberg, Europa League-Gruppenphase, Kapitänsbinde und 248 Bundesliga-Einsätzen hätte der Vorhang fallen können. Stattdessen: Heimkehr. Kofler kehrte 2022 ablösefrei zu seinem Jugendklub ATUS Velden zurück – und der Verein erlebte seitdem einen bemerkenswerten Aufschwung. Erst Zweiter, dann Meister der Kärntner Liga, und schließlich der Aufstieg in die Regionalliga Mitte für die Saison 2025/26. Kofler als stille Triebfeder hinter einem aufstrebenden Regionalligisten. Passt.

In der abgelaufenen Saison stand er in 15 von 27 Spielen im Tor, Marko Soldo – übrigens ein alter Bekannter aus gemeinsamen WAC-Zeiten – übernahm die restlichen zwölf Partien. Mittlerweile stehen für Velden bereits 71 Pflichtspiele zu Buche, dazu 78 kassierte Tore und 19 Gegentore in der laufenden Saison.
Die neue Rolle: Co-Trainer, Backup und Bundesliga-Erfahrungsträger in einem
Jetzt kommt der nächste Karriereschritt – und der ist mindestens so interessant wie seine Zeit als Profi. Kofler wechselt ins Trainerteam von Marcel Kuster als Co-Trainer, bleibt aber gleichzeitig als dritte Torhüteroption verfügbar. Wer jahrelang unter dem Druck der Bundesliga und internationaler Bewerbe funktioniert hat, bringt eine Gelassenheit und taktische Reife mit, die sich kein Verein der Welt kaufen kann. Dass er die Ausbildung zum Tormanntrainer bereits nach seinem WAC-Abschied ins Auge gefasst hatte, macht diesen Schritt umso logischer.

Was bleibt: Ein Kärntner, der immer Kärntner blieb
Die Geschichte von Alexander Kofler ist keine Geschichte des Abschieds oder des Rückzugs. Es ist die Geschichte eines Mannes, der seinen Fußball immer mit Herz gespielt hat – und der dieses Herz jetzt an eine ganze Mannschaft weitergibt. Vom Nachwuchsspieler beim ATUS Velden zum Bundesliga-Kapitän beim WAC, Europa League-Keeper, und nun Co-Trainer und Vorbild im Regionalliga-Kasten: Das ist ein Kreis, der sich schöner nicht schließen könnte.
Wer sagt, Karriereenden wären immer melancholisch – der hat Alexander Kofler noch nicht beobachtet.





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